15. Dezember 2010

christen, gewerkschaften, zeitarbeit

ein weiteres Geschäftsmodell geht den Bach runter: "christliche" Tarifverträge in der Zeitarbeit. Wie Kollege Reuter zutreffend andeutet, wird dies einigen Unternehmen den Hals brechen, denn nun taucht das Problem des equal-pay auf. Eventuell kommt nach dem Mtarbeiter die Sozialversicherung, nur gut, wer da nicht selbst gebastelt, sondern vielleicht einen Berater hatte, der sich mit sowas auskennt.
Kleiner Einwand am Rande: man konnte sich auch statt auf den Tarifvertrag der "Christen" auf den DGB-Tarifvertrag beziehen, der sah ebenfalls keine üppigen Vergütungen vor. Und es wäre nun Aufgabe der Zeitarbeiter gewesen, über Arbeitskampf und ähnliches Verhandlungen anzukurbeln.
Was mich an der Sache wirklich stört ist der nun missliche Fall des equal-pay: wer kein Mitglied einer DGB-Gewerkschaft ist und bei einem Arbeitgeber aus dem Verband arbeitet, bekommt mehr als der Kollege, der sich für Organisation, Arbeitskampf, Naserümpfen des Arbeitgebers und Mitgliedsbeiträge entschieden hat, der schaut doof und in die Röhre. Fehlende Bereitschaft sich einzusetzen wird belohnt - Applaus. Zudem sind Niedriglöhne nun beileibe kein Merkmal allein in der Zeitarbeit. Bewachung, Putzen und Textil gehen da nicht mit bestem Beispiel voran. Aber das sind ja "echte" Arbeitsplätze. Zeitarbeit ist ja mehr bäh als nachts die Baustelle bewachen.

Kommentare:

  1. "Fehlende Bereitschaft sich einzusetzen wird belohnt - Applaus." - Das ist wirklich eines der (wohl unbeabsichtigten) Ergebnisse. Das Verfahren und damit auch dieses Ergebnis ist von einer Berliner Senatorin angestoßen worden, die als Parteimitglied DIE LINKE sicher nur das Beste wollte :-). Das alles ist in Wahrheit vor allem ein Konkurrenzkampf der Gewerkschaften - die christlichen sind ja keine neue Erscheidung und haben durchaus Tradition, aber der DGB will eben keine Konkurrenz. Es gibt auch gute Gründe für Einheitsgewerkschaften und die Abschaffung jeglicher Konkurrenz...aber für mich sieht das einfach verdächtig aus. Letztlich war auch der FDGB eine "Einheitsgewerkschaft" und der Beweis, dass die immer besser ist, fehlt einfach, historisch gesehen. Und noch merkwürdiger ist einfach für mich, dass das BAG von den vielen Lösungsmöglichkeiten, die vertretbar wären, gerade diese eine herausgepickt hat. Aber ich mache nicht in Verschwörungstheorien...

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  2. Jetzt bleibt nur noch der DGB, der den Niedriglöhnen eine Basis gibt...

    Ihr Bild stimmt aus meiner Sicht nicht: In Wahrheit gibt es doch so gut wie keine LeihArbN, die bei einer Gewerkschaft Mitglied sind. Die LeihArbN werden doch alle nur über Bezugnahmeklauseln den TV unterworfen. Insofern hat sich auch kein bzw. kaum ein LeihArbN für oder gegen eine bestimmte Gewerkschaft entschieden. Insofern war es mehr ein Glücksspiel...

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  3. da bin ich durchaus bei Ihnen. Es sind auch nur wenige Unternehmen organisiert. Die wenigen wenigen in der Gewerkschaft sind die Doofen. Das gefällt mir nicht: Ich gehe nicht in die Gewerkschaft, jammer rum (lach mich kaputt über den blöden Kollegen, der mit Ver.di versucht für alle mehr Geld rauszuholen) und bekomme anschließend mehr. Eine Gewerkschaft funktioniert, wenn der Organisationsgrad hoch ist und der Arbeitskampf weh tut.
    @ RA Reuter: Einheitsgewerkschaft muss nicht sein, aber es sollte doch mehr sein als einen Verein, der einfach irgendwo unterschreibt. Und diese Läden, die kurz nach equal-pay auftauchten, waren schon merkwürdig. Klar, ich war nur nicht clever genug, auch eine passende "Gewerkschaft" zu gründen ;-)

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  4. Mir ist nur nicht klar, woraus sich die Tariffähigkeit von ver.di bzw. des DGB in der Zeitarbeitsbranche ergeben soll...

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